Hochbegabung –
Merkmale, Definition

Hochbegabt?

Hochbegabte Kinder sind so verschieden wie andere Kinder auch,
jedoch zeigen sie häufig folgende Merkmale:

 • Vorsprung in der Entwicklung grundlegender Fertigkeiten im Vergleich zu Gleichaltrigen
• Besonders schnelle Auffassungsgabe bzw. Lernfähigkeit
• Sehr hohes Detailwissen (bei vorhandener Motivation)
• Gute Beobachtungsgabe
• Großer Wortschatz und differenzierte Ausdrucksweise
• Gute Merkfähigkeit
• Weit fortgeschrittene logische Denkfähigkeit
• Schnelles Durchschauen von Zusammenhängen
• Fähigkeit mit komplexen Konzepten und Abstraktionen umzugehen
• Kritisches und unabhängiges Denken

Ihre Arbeitshaltung und Interessen sind gekennzeichnet durch:

  • Intensive Beschäftigung mit Problemstellungen
  • Auftreten von Langeweile bei Routineaufgaben
  • Schwer zufrieden zu stellen
  • Starke Kritik an sich selbst
  • Interesse an Erwachsenenthemen
  • Unabhängiges und selbständiges Arbeiten

Ihr Sozialverhalten zeichnet
sich aus durch:

  • Hohe Individualität
  • Hinterfragen von Autoritäten
  • Ablehnung von Regeln um der Regeln willen (Sinnhaftigkeit muss klar sein)
  • Übernahme von Verantwortung
  • Nonkonformität eher als Konformität
  • Starkes Bewusstsein für Recht – Unrecht / gut – böse
  • Hohes Einfühlungsvermögen
  • Bevorzugung gleich befähigter Freunde statt gleichaltriger Freunde
  • Führungsqualitäten
    (vgl. Lange & Mehl, 1993; Eyre, 1998; Webb, 1993)

Hochbegabung ist
der Unterschied zwischen Begabung und Hochbegabung wird weitgehend als ein gradueller angesehen. Der häufigste verwendete Maßstab ist ein Intelligenztest.
Der Durchschnittsbereich der Intelligenz liegt zwischen Prozentrang 16 und 84, der überdurchschnittliche Bereich zwischen Prozentrang 84 und 98 und der weit überdurchschnittliche Bereich (Hochbegabung) zwischen Prozentrang 98 und 100.
Für den Begriff Begabung/Hochbegabung gibt es in der Wissenschaft zahlreiche Definitionen. Es kommt häufig zu einer Vermischung der Begriffe von Hochbegabung, Begabung, Talent, Genie, Wunderkind etc. Einigkeit besteht darin, dass Begabung grundsätzlich ein Potenzial darstellt, das sich in entsprechenden Leistungen zeigen kann.

Hochbegabung ist
die Arbeiten anderer Wissenschaftler schlüsseln weitere Faktoren auf, die einen wesentlichen Einfluss darauf haben, ob aus einer vorhandenen tatsächlich eine hohe Leistung entstehen kann.
Heller (2001) unterscheidet in seinem Münchner Hochbegabungsmodell zwischen
nicht-kognitiven Persönlichkeitsmerkmalen (Stressbewältigung, Leistungsmotivation und Arbeits-/Lernstrategien) und Umweltmerkmalen (familiäre Lernumwelt, Klassenklima und kritische Lebensereignisse), die auf die intellektuelle Entwicklung großen Einfluss haben. Ein begabungsfreundliches Klima ist im familiären Kontext ebenso wichtig wie Schulalltag. Darüber hinaus sind die Bereiche Lernen, Training und Praxis besonders wichtig, damit aus einer Begabung letztendlich ein Talent bzw. eine Leistung entsteht, denn Begabungen sind keineswegs stabil.
Wenn wir von Begabung sprechen, meinen wir nicht nur die kognitive Begabung. Der Begriff ‚Begabung‘ muss breiter gefasst werden. So der Forscher Howard Gardner (1994) verschiedene Intelligenzen:

  1. Sprachliche Intelligenz (Sensibilität für Sprache, Grammatik, …)
  2. Musikalische Intelligenz (Erkennen, Behalten und Erfinden von Melodien, …)
  3. Logisch-mathematische Intelligenz (Quantitatives Denken, Mengenerfassung, …)
  4. Räumliche Intelligenz (Erkennen von Mustern, Vorstellungsfähigkeit, …)
  5. Körperlich-kinästhetische Intelligenz (Beherrschen des eigenen Körpers, …)
  6.  Intrapersonelle Intelligenz (Entwickeln eines Selbstsinns, Selbstreflexion, …)
  7. Interpersonelle Intelligenz (zwischenmenschliche und soziale Kompetenzen, …)
  8. Naturalistische Intelligenz (Arten klassifizieren und analysieren, Umweltfragen, …)
  9. Existentielle Intelligenz (Wissen und Werte philosophisch-moralisch, hinterfragen, …)

Wie erkennt man aber den Unterschied zwischen hochbegabten bzw. talentierten und intelligenzen Kinder?
Ein kluges Kind ist interessiert,
ein (hoch)begabtes ist ausgesprochen neugierig.

Ein kluges Kind beantwortet Fragen,
ein (hoch)begabtes Kind diskutiert die Details.

Ein kluges Kind weiß die Antwort,
ein (hoch)begabtes Kind fragt die Frage.

Ein kluges Kind gehörte zur Spitze,
ein (hoch)begabtes Kind steht jenseits der Gruppe.

Ein kluges Kind begreift die Bedeutung,
ein (hoch)begabtes zeigt Unterschiede auf.

Ein kluges Kind ist wachsam/aufgeweckt,
ein (hoch)begabtes Kind ist leidenschaftlich wachsam.

Ein kluges Kind beendet die Arbeiten,
ein (hoch)begabtes Kind initiiert Projekte.

Ein kluges Kind hat gute Ideen,
ein (hoch) begabtes Kind hat ungewöhnliche und alberne Ideen.

Ein kluges Kind geht gerne in die Schule,
ein (hoch)begabtes Kind lernt gerne.

Ein kluges Kind hat ein gutes Gedächtnis,
ein (hoch)begabtes Kind rät gut.

Ein kluges Kind ist beim/mit Lernen zufrieden,
ein (hoch)begabtes Kind ist höchst kritisch.

Ein kluges Kind ist aufnahmefähig,
ein (hoch)begabtes ist intensiv.

Ein kluges Kind lernt leicht,
ein (hoch)begabtes „weiß schon“.

Ein kluges Kind hat gerne geradlinige unterteilte Präsentationen,
ein (hoch)begabtes Kind strebt nach Kompexität.

Ein kluges Kind bevorzugt Gleichaltrige,
ein (hoch)begabtes Kind bevorzugt Erwachsene oder ältere Kinder/Jugendliche.

Ein kluges Kind nimmt Informationen auf,
ein (hoch)begabtes manipuliert Informationen.

Was genau ist Hochbegabung – Definition:
Die National Association für Gifted Children definiert eine hochbegabte Person als jemanden, der/die in einem der folgenden Bereiche ein außergewöhnliches Leistungsniveau oder -potenzial zeigt:

  • intellektuelle Fähigkeiten
  • soziale Kompetenzen
  • kreatives Denken
  • praktische Intelligenz
  • künstlerische Fähigkeiten
  • Musikalität
  • psycho-motorische Fähigkeiten

Der Marland-Report (1972) des US-Kultursministeriums definiert folgendermaßen:

Hochbegabte und talentierte Kinder sind jene von qualifizierten Fachpersonen identifizierten Kindern, die aufgrund herausragender Fähigkeiten zu hohen Leistungen fähig sind. Diese Kinder brauchen differenzierte Bildungs- und Förderprogramme, die über die regulären Schulprogramme hinausgehen, damit sie ihr Potenzial für sich selbst entfalten und in die Gesellschaft einbringen können. Zu den Kindern, die zu hohen Leistungen fähig sind, gehören jene, die Leistung und/oder Potenzial in einem oder mehreren der folgenden Bereiche zeigen: Allgemeine intellektuelle Begabung, spezifische akademische Begabung, kreative oder produktives Denken, Führungsqualität, bildende oder darstellende Künste sowie psychomotorische Fähigkeiten.

Mythos „Die Eislauf-Mutter“
Hochbegabte Kinder sind das Produkt ehrgeiziger Eltern

Realität:
Kein Kind, egal wie begabt, kann seine außergewöhnlichen Fähigkeiten ohne Unterstützung von Bezugspersonen entfalten. Es braucht Ermutigung, Anregung, Ansporn!

Aber keine Mutter kann Begabung aus dem Nichts erschaffen! Meist treiben die Kinder die Eltern an! „Ich brauch Futter!“bestimmte Umgebung.

ABER:
Eltern können jedoch vorhandene Begabungen zerstören:
wenn sie sich mehr für Leistung als für Gefühle interessieren,
wenn sie sie für die Befriedigung eigener unerfüllter Wünsche einsetzen.

Aus: Elllen Winner:“Hochbegabt – Mythen und Realitäten von außergewöhnlichen Kindern“, 2004

Die gängigsten Irrtümer über hochbegabte Kinder:

  • Hochbegabte Kinder sind für gewöhnlich in allen schulischen Bereichen besonders begabt.
  • Hochbegabung ist zu 100 Prozent angeboren.
  • Hochbegabung ist ausschließlich das Ergebnis harter Arbeit.
  • Alle Kinder sind ausgesprochen begabt.
  • Kinder werden von ihren Eltern unter Druck gesetzt und auf hochbegabt getrimmt.
  • Auch hochbegabten Kindern werden bedeutende Persönlichkeiten.
  • Hochbegabte Kinder haben nur selten Lernbeeinträchtigungen.
  • Hochbegabte Kinder sind sich nicht bewusst, dass sie irgendwie anders sind als andere.
  • Wenn man hochbegabten Kindern sagt, dass sie anderen in ihren Fähigkeiten voraus sind, werden sie selbstgefällig.
  • Die besonderen Fähigkeiten und Talente hochbegabter Kinder spiegeln sich in ihren Schulleistungen wider.
  • Hochbegabte Kinder können sich normalerweise gut organisieren und haben gute Lerntechniken.
  • Hochbegabte Kinder setzen ihr Potenzial nur dann um, wenn man sie ständig unter Druck setzt.
  • Die emotionale Reife hochbegabter Kinder ist ebenso weit fortgeschritten wie ihr Intellekt.
  • Hochbegabte Kinder haben nur selten mit emotionalen oder zwischenmenschlichen Problemen zu kämpfen.
  • Hochbegabte Kinder stellen ihre Talente und Fähigkeiten gerne vor anderen zur Schau.
  • Die besonderen Fähigkeiten, die Intensität und die Sensibilität hochbegabter Kinder werden in ihren Familien grundsätzlich sehr geschätzt.
  • Hochbegabte Kinder sind leichter zu erziehen als die meisten anderen Kinder.
  • Eltern können die Hochbegabung ihrer eigenen Kinder nicht erkennen.
  • Lehrer wissen genau, wie man mit hochbegabten Kindern umgeht.